20. Mai 2017

Öffentlicher Raum ist Lebensqualität

Interview der Anstoßredaktion mit Matthias  Bärwolff, Fraktionsvorsitzender DIE LINKE. im Erfurter Stadtrat und Mitglied im Ausschuss für Stadtentwicklung.

Anstoß: Matthias, du bist Mitglied im Ausschuss für Stadtentwicklung und studierst Stadt- und Raumplanung. Was sind öffentliche Räume und was macht sie so wichtig?

Matthias Bärwolff: Der öffentliche Raum ist zunächst dadurch gekennzeichnet, dass er dem Gemeinwesen gehört, also von uns allen genutzt werden kann und nicht privaten Interessen unterliegt, etwa der Immobilienbranche. Öffentliche Räume sind die Straßen und Wege, Plätze und Parks. Ihre Gestalt prägt die Lebensqualität in der Stadt und den Wohngebieten, deshalb sind Grünanlagen, aber auch barrierefreie Wege, Sitzbänke, Mülleimer und Toiletten so wichtig.

Warum sind sie wichtig?

Öffentlichen Flächen sind knapp. Erfurt hat eine Fläche ca. 269km². Wieviel davon gehört Privatleuten oder Unternehmen und wieviel der öffentlichen Hand? Der Boden ist als Anlage- und Renditeobjekt ins Visier der Finanzmärkte geraten. Darunter haben die Mieterinnen und Mieter zu leiden, denn deren Mieten steigen.

Wie meinst Du das genau?

Die steigende Wohnungsnachfrage sorgt für steigende Grundstückspreise. Wohnungsbau, noch dazu sozialer, wird so immer teurer. Gerade bei Neuvermietungen werden diese Mietsteigerungen deutlich.  Jeder, der in den letzten Monaten eine neue Wohnung bezogen hat, weiß was es heißt, wenn der Mietspiegel herangezogen wird, um Mietsteigerungen zu rechtfertigen.

Kann die Stadt nicht mehr Raum zur Verfügung stellen?

Die Stadt kann nur den Boden zur Verfügung stellen, der ihr auch gehört. Seit vielen Jahren verkauft die Stadt Grund und Boden und so schwinden die Reserven. Hinzu kommen weitere Ansprüche an den bestehenden öffentlichen Raum. Überall in der Stadt herrscht Parkplatzmangel, Radwege sollen gebaut werden und auch die Fußgängerinnen und Fußgänger haben ein Recht auf ordentliche und barrierefreie Wege. Bodenpolitik birgt also eine Reihe sozialer Aspekte in sich.

Die soziale Bedeutung öffentlicher Räume ist scheinbar kaum bekannt.

Das würde ich nicht sagen. Die Diskussionen um den sozialen Wohnungsbau, die Gestaltung des Bürgerparks am Johannesplatz oder die Bürgerbeteiligung rund um die Sanierung des Berliner Platzes zeigen: Die Anwohnerinnen und Anwohner wissen sehr wohl, was ihnen diese öffentlichen Räume wert sind. Angefangen vom Wochenmarkt, über Straßenfeste bis hin zu Barrierefreiheit und einer ansprechenden Gestaltung, zu all diesen Aspekten hatten die Anwohnerinnen und Anwohner sehr konkrete Vorstellungen geäußert. Öffentliche Räume sind auch Ausdruck von Lebensqualität. Wenn sie gut gestaltet und gepflegt werden, laden sie zum Verweilen ein und sind Orte der Begegnung zwischen Nachbarn, zwischen Generationen und zwischen Kulturen. Gepflegte öffentliche Räume stärken den sozialen Zusammenhalt.

Danke Matthias für das Interview.