14. März 2014

Enttäuschung in der Linksfraktion: Antrag für Konzept zur Alten Zahnklinik nicht unterstützt

 

Mit Unverständnis reagierte die Stadträtin Karola Stange (DIE LINKE.) auf die Gegenstimmen der Fraktionen SPD und B90/Die Grünen zum Antrag der Linksfraktion, ein Konzept von der Stadtverwaltung für die alte Zahnklinik zu fordern: “Jetzt bleibt wieder monatelang alles beim Alten. Wir müssten dringend Maßnahmen ergreifen, um den bautechnischen Schandfleck in Erfurt zu beseitigen – und nun diese destruktive Reaktion!“ Die Linksfraktion hatte in ihrem Antrag zur Ratssitzung am Donnerstagabend vom Oberbürgermeister gefordert, dass für die alte Zahnklinik ein Nutzungskonzept zu erarbeiten ist. Dieses sollte neben anderen Verwendungsmöglichkeiten auch diejenige als Verwaltungsgebäude beinhalten. Das Konzept sei bis zum 31.05.2014 dem Stadtrat zur Behandlung vorzulegen. Stange, die sich persönlich seit vielen Monaten für Bewegung in der Sache einsetzt, begründete den Antrag mit dem derzeitigen desolaten Bauzustand und dem weiteren Verfall des Gebäudes. Insbesondere durch die Stimmabgabe der genannten rot-grünen Fraktionen wurde der Antrag knapp mit 14 zu 16 Stimmen abgelehnt.

 

 

Karola Stange ist sauer: „Der elfgeschossiger Plattenbau in der Nordhäuser Straße 78, gegenüber dem neu geschaffenen Universitäts-Garten gelegen, hat sich mehr und mehr zum weithin sichtbaren Schandfleck in der Landeshauptstadt entwickelt. Türen und Fenster im Erdgeschoss sind blockiert, die Fassade scheint angegriffen.“ Der verwahrloste Eindruck, den der Betrachter heute von Haus und Grundstück erhält, wäre zu Zeiten der Nutzung als renommierte Zahnklinik ein anderer gewesen, so die Stadträtin in ihrer Begründung.

 

 

Wurde seit 1979 der Eingangsbereich durch die Plastikgruppe „Familie“ des bekannten Erfurter Künstlers Lutz Hellmuth verschönert, so erobert sich seit der Schließung der Klinik die Natur das Terrain zurück. 1994 war die Medizinische Akademie - trotz großer Proteste - vom Freistaat Thüringen abgewickelt worden. Seither habe es eine Reihe von Vorstellungen für eine neue Nutzung gegeben, etwa die Bündelung verschiedener über die Stadt verstreuter städtischer Ämter, die Stange als mögliche Nutzungsalternative herausstellte. Zuletzt seien Vorschläge für einen Umbau zum Studentenwohnheim auf der Strecke geblieben. Andere Ideen, zum Beispiel in Richtung altersgerechtem Wohnraum gehend, wurden ebenfalls von der Stadtverwaltung bislang nicht angefasst. Als Bürohaus sei, so Stange, das Gebäude geeignet, allerdings müsste dann die Stellplatzsituation - eventuell auf einem Grundstück in der Nähe - geklärt werden.

 

 

„Mit jedem Jahr Leerstand steigen die Kosten für eine Sanierung. Der derzeitige Zustand des Gebäudes nebst Umfeld hätte detailliert in der Konzeption dargestellt werden können.“ Meint die enttäuschte Stadträtin. Natürlich stehe jeder Fraktion im Stadtrat ein freies Entscheidungsrecht zu, „… aber diese Abstimmung war nicht nur unkollegial – sie war sachlich einfach falsch!“, meint Frau Stange abschließend.