30. September 2016 Karola Stange

Einkaufsstress statt Stadtgenuss

Mit großer Bestürzung habe ich gelesen, dass sich die unter dem Citymanagement zusammengeschlossenen Händler der Innenstadt über das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes (OVG) hinwegsetzen wollen um am kommenden Sonntag die Geschäfte zu öffnen. Das kommt nach meiner Meinung einem Rechtsbruch gleich.
Das Citymanagement zieht sich in seiner Begründung, warum das Urteil nicht anerkannt wird, einzig darauf zurück, dass es noch nicht schriftlich vorliege. Ich finde es bedenklich, wenn man so handelt und die Argumente des Gerichts völlig ignoriert.
Dass mal wieder die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Familien völlig ignoriert werden und mit keinem Satz erwähnt werden ist ebenfalls bezeichnend für die Haltung des Citymanagements. Konsum, ein bisschen mehr Gewinn für die Unternehmen und die pure Möglichkeit an einem Sonntag dass x.te T-Shirt an die Frau oder Mann zu bringen überwiegt alles andere. Das männlich dominierte Citymanagement stellt sich mit dieser Entscheidung eindeutig gegen das Thüringer Ladenschlussgesetz, wie das OVG heute nochmals dargestellt hat. Davon werden dann vorrangig Frauen betroffen sein, die am Sonntag in den Einkaufsläden den überwiegenden Teil der Bediensteten stellen werden.
Das Image Erfurts hängt nicht von ab, ob man am Sonntag oder einem anderen Feiertag einkaufen kann. Viel wichtiger ist eine lebenswerte Stadt mit freundlichen Bürgerinnen und Bürgern.
Erfurterinnen und Erfurt und auch Touristinnen und Touristen wollen nicht jeden Tag konsumieren. Wichtig für eine lebenswerte Innenstadt ist, auch mal ohne Werbeaufsteller auf dem Gehweg und Musikbeschallung aus allen Einkaufsgeschäften durch Erfurt flanieren zu können. Erfurt ist keine Einkaufsstadt, sondern eine Stadt der Geschichte und die kann viel besser ohne Dauereinkaufsstress genossen werden.
Viele Erfurterinnen und Erfurter wären froh darüber, wenn die Geschäfte kommenden Sonntag geschlossen blieben. Ich hoffe, dass der Oberbürgermeister in Zukunft umdenkt und die Interessen viel genauer abwägt, als er es in der Vergangenheit getan hat.