15. Mai 2017 Matthias Bärwolff

Warum Verkehr sozial sein muss

Wir alle sind im Verkehr, meist sind es nur kurze Wege, ab und zu geht es auch weiter weg. Manche von uns sind ständig auf Achse, andere bleiben regelmäßig im Verkehr stecken. Nun ist es aber so, dass Verkehr auch eine soziale Frage ist. Wohnort, Arbeitsplatz und die Orte wo wir die Freizeit verbringen sind meist getrennt voneinander. Deshalb brauchen wir geeignete Verkehrsmittel. Das private Auto stand jahrzehntelang auf der Wunschliste der meisten Erfurter, nur wenigen wurde dieser Wunsch zu DDR-Zeiten erfüllt. Nach der Wende brach sich die Motorisierung ungehemmt Bahn und fast jeder nannte irgendein motorisiertes Vehikel sein eigen. Die Sehnsucht nach persönlicher Freiheit drückte sich vor allem im eigenen Auto aus. Nun sind seit der Wende schon einige Jahre ins Land gegangen und immer noch steht das Auto scheinbar unangetastet auf dem Sockel der Freiheit und gehört vielerorts zum Selbstverständnis in Sachen Mobilität. Das aber die beschworene Freiheit schnell an ihre Grenzen kommt, weiß jeder der im Berufsverkehr oder auf dem Weg in den Urlaub im Stau steht. Wenn alle ihre Freiheit gleichzeitig nutzen wollen, läuft dies auf ein Chaos und mithin auf schlichten Stillstand hinaus. Dabei ist dann auch jegliche persönliche Note oder Vorliebe hin, denn im Stau sind Porschefahrer und diejenigen, die mit Opas Auto geradeso den TÜV überstanden haben, ziemlich gleich. Ziemlich gleich sind sich die staugeplagten Pendler auch in anderer Hinsicht. Sie alle sitzen ziemlich allein in ihrem Auto.

Diese Art von Mobilität ist recht unsozial. Sowohl was die Umweltfolgen angeht, als auch hinsichtlich anderer  sozialer Aspekte. So wird in erheblichem Ausmaß öffentlicher Raum für Parkplätze verschwendet, so blockieren Falschparker regelmäßig die Straßenbahngleise, sodass ein Schienenersatzverkehr aufgebaut werden muss. Vor Kindergärten und Schulen findet täglich ein Rennen um die besten Parkplätze statt. Auch die Kosten, die die Stadt für den Unterhalt von Straßen und Verkehrsanlagen aufwenden muss, sind erheblich. Viele Straßen bedeuten viele Kosten.  Soweit zu den Folgen des Autoverkehrs, die zwar nur von einigen verursacht, aber von der gesamten Gesellschaft bezahlt werden.

Nun zu anderen Verkehrsmitteln: Eine  praktische Alternative zum Auto ist der öffentliche Verkehr. Er nötigt die Leute zwar dazu, sich an dieses System anzupassen und die individuellen Wege nach ihm auszurichten, aber allein die Erfurter Verkehrsbetriebe beweisen, dass man mit 70 Straßenbahnen und 80 Bussen 50 Millionen Fahrgäste befördern kann. Die Nutzung des ÖPNV ist also keine unzumutbare Hürde, sondern eine soziale Alternative. Denn anders als im Auto, hat man eine Menge Mitfahrer, man hat nie Parkplatzprobleme und die Erfurter Straßenbahnen fahren alle mit Naturstrom.

 

Buchtipp: VerkehrsMachtOrdnung von Planka.nu erschienen im UNRAST-Verlag ISBN: 9783897715844