27. Oktober 2011

Auf nach Berlin! Sozialministerin findet Tagesreise zu Beratungsstellen zumutbar

Aus der Antwort auf die Kleine Anfrage von Karola Stange zu Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen geht hervor, dass wohnortnah bedeutet, „wenn für den Besuch einer Beratungsstelle mit öffentlichen Verkehrsmitteln ein Tag verwendet“ werde. „Wenn wir das ernst nehmen, werden demnächst die Frauen nach Leipzig, Berlin oder Frankfurt geschickt“, kritisiert die Gleichstellungspolitikerin der Linksfraktion.

Diese Definition entstammt einem Kommentar zum Schwangerschaftskonfliktgesetz von Dieter Ellwanger. „Ich frage mich, wie Sozialministerin Heike Taubert diesen Kommentar völlig unkritisch übernehmen kann“, konstatiert Karola Stange. „Danach könnten Beratungsstellen in den Thüringer Städten zugemacht und alle Frauen nach Berlin verwiesen werden.“ Schließlich könne man von Erfurt mit dem ICE in zweieinhalb Stunden in der Hauptstadt sein. Ähnliches gelte für Leipzig oder Frankfurt. Auch in diese Städte seien die Zugverbindungen recht gut.

„Es kann nicht angehen, dass immer mehr Beratungsstellen abgebaut werden, weil es angeblich eine Überkapazität gibt“, kritisiert Frau Stange. „Uns sagen die Beraterinnen, dass die Beratungen aufwändiger geworden seien, da viele Frauen mit zahlreichen Problemen zu ihnen kämen.“ Dies habe sich aber anscheinend noch nicht in der Statistik niedergeschlagen.

Die Multiproblemfamilien seien aber auch der Sozialministerin bekannt. „Dieser Situation muss Rechnung getragen werden. Wir fordern die Sozialministerin auf, zusammen mit den Beratungsstellen und den Thüringer Abgeordneten geeignete Lösungen zu finden“, stellt Karola Stange fest.