Lange und bewegte Diskussion über den Weg zum Frieden

Etwa 100 Menschen waren gestern abend der Einladung der Linkspartei ins Haus Dacheröden gefolgt, um gemeinsam mit dem Hamburger Friedensforscher Jan van Aken über mögliche Wege zum Frieden nachzudenken. Van Aken beschrieb eingehend am Beispiel bisheriger Kriege, welche Situationen zum Ende von Kriegen führen können. So komme in jedem Krieg nach vielen vielen Opfern irgendwann ein Punkt, an dem beide Parteien des Kämpfens müde sind. Es gebe aber auch Möglichkeiten, Kriege zu beenden, wenn das Umfeld/die Verbündeten der Kriegsparteien auf ein Ende des Krieges drängten, und nicht auf dessen Fortsetzung, oder, wenn als akzeptierte Vermittler agierende Staaten diesen Prozess beschleunigen. Dies sei sowohl beim Russland-Ukraine-Krieg als auch beim Konflikt in Nahost möglich. Fragen und Statements der Anwesenden betrafen unter anderem die Politik der Bundesregierung, Gewinne durch Rüstungsgüter, die Gefahr des Einsatzes von Atomwaffen und Veränderungen in der Kriegsführung durch neue automatische Flugsysteme. Von Aken antwortete aus seiner Sicht und Kenntnis, erinnerte an die Kraft der Friedensbewegung in den 1980er Jahren, sowohl im Westen als auch in der DDR. 

Selbst im linken Spektrum der Bundesrepublik gibt es unterschiedliche Auffassungen zu Waffenlieferungen an die Ukraine, räumte van Aken ein.  Allerdings gebe es in anderen wichtigen Fragen Übereinstimmung, so in der Ablehnung einer neuen gigantischen Rüstungsspirale und in der Forderung nach aktiver Anwendung diplomatischer Mittel, um einen Waffenstillstand zu erreichen. Wie ein künftiger Frieden aussieht, stellt sich nach den Worten von van Aken immer erst in den konkreten Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien heraus, weshalb es müßig und verfehlt sei, heute dazu Vorstellungen und Vorschläge zu entwickeln. Aken betonte: "Letztlich kommt Sicherheit für Menschen und Staaten niemals aus Gewehrläufen, sondern immer nur aus Kooperation. Diesen Grundgedanken dürfen wir auch in den gegenwärtigen Kriegen nicht verlieren." Van Akens Vorschlag an die Linkspartei und an die Friedensbewegten in Deutschland, sich für ein konkretes Abrüstungsziel einzusetzen: "Wenn es gelänge, dass alle Staaten auf der Welt gleichzeitig 10 Prozent ihres Rüstungspotentials abbauen und diese Mittel wichtigen zivilen Projekten zukommen, dann wäre der Weg in eine positive Richtung geöffnet. Dies ist erreichbar, wenn es genügend Unterstützung gibt."