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Klimacamp muss bleiben

Seit nunmehr fast vier Wochen erhitzt das Erfurter Klimacamp die Gemüter von Politik und Bevölkerung. Da haben sich mitten in die Stadt und die BuGa junge Leute platziert, die uns sagen: Ihr tut nicht genug fürs Klima! 

Auf bunten Plakaten prangen Losungen und Forderungen. Sie bringen Redebeiträge, regen den Diskurs an, erklären und debattieren.

Wir als Stadtverband der LINKEN finden das gut und unterstützen die Klima-Aktivist*innen  im Camp.

Wir finden es richtig und wichtig, dass sie ihren Forderungen Nachdruck verleihen, indem sie ihre genehmigte Demonstration direkt vor dem Rathaus platziert haben.

Aber das Klimacamp gibt uns mehr. Es zeigt uns, wie schnell und unbegründet Vorurteile entstehen, wenn man sich nicht informiert. Weil Zelte dort auf dem Fischmarkt stehen, entsteht der Eindruck, die Teilnehmer*innen würden dort übernachten, was zu Zeiten von Übernachtungsverbot auf Campingplätzen zu Ablehnung bei der Bevölkerung führt. Das jedoch ist ein Vorurteil. Das Klimacamp ist eine Demonstration, deren Teilnehmer*innen sich im Schichtbetrieb ablösen. Dass sie in den Zelten nicht schlafen - und im übrigen auch keinen Alkohol trinken, kontrolliert die Polizei. Die Schichten im Camp müssen von den Aktivist*innen neben der Arbeit, Ausbildung oder familiären Verpflichtungen organisiert werden. Da steckt hohes ehrenamtliches Engagement und viel Zeitmanagement dahinter. Ferner haben die Klimacamper*innen einen Vertrag, der ihnen die Nutzung der sanitären Einrichtungen des Predigerkellers erlaubt. Sie entsorgen den Müll in eigene Müllbeutel. Also auch das Vorurteil, sie würden die Stadt verschmutzen, ist haltlos. 

Und nicht zuletzt zeigt uns das Klimacamp, dass in einer Gesellschaft miteinander geredet werden muss und kann. Sehr oft müssen sich die Demonstrationsteilnehmer*innen mit Menschen auseinandersetzen, mit denen sachliche Auseinandersetzungen schwer möglich sind. In Zeiten, da der Deutsche Bundespräsident einklagt, die Menschen würden nicht mehr miteinander reden, gibt es plötzlich mitten in Erfurt einen Ort, wo genau das möglich ist: Verschiedene Meinungen prallen oft hart aufeinander, aber dennoch werden hier Gespräche geführt und Gesprächskultur kann sich entwickeln. Natürlich unter Einhaltung der gängigen Corona-Regeln. 

Das Klimacamp ist für Erfurt wichtig. Weil die Tagespolitik immer wieder Zwängen ausgesetzt ist, weil es an allen Ecken und Enden Kompromisse braucht, ist der Druck von unten für die Durchsetzung der Klimaziele von großer Bedeutung. Dafür braucht es viel Kraft und Energie.

Wir danken diesen jungen Menschen ausdrücklich für ihr Engagement und stehen solidarisch zu ihrem Anliegen!