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Anfrage "Mittelalterliche Brunnenstandorte"

Fragesteller: Herr Dr. Duddek, Fraktion DIE LINKE.

 

1. Wie viele Brunnenstandorte befanden sich im Mittelalter im heutigen Stadtgebiet Erfurts?
2. Welche Standorte sind bis heute erhalten, welche davon gar noch nutzbar?
3. Welche Standorte könnten mit welchem Aufwand (bitte genaue Angaben) reaktiviert werden?

Zwischenantwort

In einer Einwohneranfrage von Herrn Roland Büttner vom 28.09.2011 wurde nach dem Wiederaufbau des Milchbrunnens gefragt. Herrn Büttner ging es erstrangig um die Wiedererrichtung der 1322 erwähnten Brunnenanlage. Ich selbst bin der Auffassung, dass man sich der Frage der mittelalterlichen Brunnen in Erfurt mehr als bisher widmen sollte. Zunächst scheint es verständlich, dass in heutiger Zeit ein gewissermaßen distanziertes Verhältnis zum Thema existiert, was sich aus der modernen Lebensweise ergibt. Im Mittelalter waren die Brunnenanlagen Stadtbild prägend und besaßen für die Bevölkerung eine Existenz sichernde Bedeutung. Insofern sind sie bis heute ein beredtes Zeugnis der damaligen Lebensweise. Für die vielen Besucher Erfurts wären diese Brunnenanlagen - inhaltlich eingefügt in die Geschichte des mittelalterlichen Stadtkerns - eine weitere interessante Sehenswürdigkeit.


Die Ermittlung und Erarbeitung aussagekräftiger Unterlagen der historischen Brunnenstandorte im heutigen Stadtgebiet von Erfurt (einschließlich der Ortsteile) bedarf eines umfangreichen Recherche- und Arbeitsaufwandes mehrerer Bereiche der Stadtverwaltung (u. a. Stadtarchiv, Denkmalbehörde, untere Wasserbehörde).

Erst nach Vorlage dieser Daten kann eine Einschätzung dahingehend erfolgen, welche der ehemals vorhandenen Standorte wieder nutzbar gemacht werden können. Diese Einschätzung erfordert im Vorfeld eine Abstimmung zwischen verschiedenen Bereichen der Verwaltung (bspw. Stadtplanung, Stadtsanierung, Tiefbau) dahingehend, welche Standorte unter den heutigen Anforderungen und den Eigentumsverhältnissen wieder reaktiviert werden könnten.

Eine abschließende Beantwortung kann aufgrund dessen voraussichtlich erst in der Stadtratssitzung am 07.11.2012 erfolgen. Falls sich der Arbeitsaufwand als noch umfangreicher erweist als derzeit eingeschätzt, würde ich Ihnen zu diesem Zeitpunkt unaufgefordert eine weitere Zwischeninformation zukommen lassen.

 

Antwort

Sehr geehrter Herr Dr. Duddek,nach den nun vorliegenden Rechercheergebnissen der Stadtverwaltung Erfurt darf ich Ihnen mitteilen, dass die Beantwortung der von Ihnen im Zusammen-hang mit den mittelalterlichen Brunnenstandorten gestellten Anfragen einen erheblichen Aufwand an Arbeitszeit und Personaleinsatz benötigt.
Tatsächlich gibt es im Stadtarchiv Erfurt Unterlagen über Brunnenstandorte in der Vergangenheit der Stadt Erfurt. Festgestellt werden können jedoch nur die Standorte von öffentlichen Brunnen und dies sicher nur für einige ausge-wählte Beispiele anhand der vorliegenden Unterlagen.
Zu einer Vielzahl weiterer Brunnenanlagen liegen nur sehr ungenaue Angaben vor. Aus der Zeit des Mittelalters verfügen wir über keine Unterlagen, die die Standorte beschreiben. Aus der frühen Neuzeit sind Brunnenstandorte ver-merkt, die sicherlich ihren Ursprung auch im Mittelalter haben.
Die Sorge für die Brunnen lag bei den Spezialgemeinden innerhalb der Stadt Erfurt. So verfügt jede Gemeinde mindestens über einen Brunnen. Dement-sprechend wären Unterlagen zu den Brunnen nur über die Quellen der jewei-ligen Spezialgemeinde auffindbar. Aus dem 19. Jahrhundert, als die Zustän-digkeit der Brunnen auf die Stadt Erfurt wechselte, gibt es Unterlagen, die zusammenfassender über Brunnen in der Stadt Erfurt berichten. Darin ist ent-halten, dass es über knapp 40 Brunnen in den 20 Spezialgemeinden der Stadt Erfurt gab. Einige dieser Brunnen sind nicht lokalisierbar, weil die Standorte nur sehr ungenau angegeben sind. Meist wurden nur Straßen- oder Gebiets-namen vermerkt.
Um die Standorte aller innerstädtischen Brunnen und darüber hinaus im ge-samten Stadtgebiet genau zu bestimmen, müssten sämtliche dafür relevan-ten Unterlagen durchgesehen werden. Dies erfordert ein immenses Pensum an Personal- und Arbeitszeit.
Da die Unterlagen des Stadtarchivs für die Benutzung der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, sehen wir die einzige Möglichkeit, entsprechende Vereine oder Einzelpersonen zu bitten, sich dieser Recherche ehrenamtlich oder im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit anzunehmen.Sehr geehrter Herr Dr. Duddek, aus den o. g. Gründen bitte ich um Verständnis, dass eine detail-liertere Beantwortung Ihrer Anfragen nicht erfolgen kann.

 

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