Anfrage - Zur Zukunft des Monumentalwandbildes von Erich Enge in Erfurt
Fragesteller: Herr Blechschmidt, Fraktion DIE LINKE.
Sachverhalt:
In den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts entstand im Norden von Erfurt der Wohnkomplex Rieth. Stadtplaner konzipierten nord-östlich des Neubauviertels kulturelle, medizinische und materielle Versorgungseinrichtungen für die Anwohner. Der architektonische und farbige Mittelpunkt des Versorgungszentrums ist die auf dem Hochplateau des „Platzes der Völkerfreundschaft“ errichtete Wohngebietsbibliothek. An den vier Fassadenseiten des Gebäudes führte von 1977 bis -78 der Künstler Erich Enge1 einen Wandmalereizyklus von monumentaler Größe aus. Bis heute ist das Wandbild der Blickfang des städtebaulichen Ensembles Rieth: Losgelöst vom kulturhistorischen Zeugnis einer überwundenen Epoche stellt es vor allem ein eigenständiges Kunstwerk dar. Nach der politischen Wende in Deutschland vollzog sich eine Neubewertung von Kunstwerken der vorangegangenen Epoche. Daraufhin war die Existenz der Wandmalerei in anderer Weise auf die Probe gestellt. Anfang der 90er-Jahre entstanden mit dem Eigentümerwechsel des Gebäudes rationellere Pläne für dessen Nutzung. Im Zuge der Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen sollte das Wandbild „zwangsläufig“ weichen. Ein unabhängiges Gutachten Thomas Topfstedt´s, in dieser Zeit Leiter des Institutes für Kunstgeschichte an der Universität Leipzig, trug zur Denkmalausweisung und damit zur Erhaltung der Malerei bei. Der Eintrag in das Denkmalbuch fand im November 1993 aufgrund städtebaulicher, künstlerischer und geschichtlicher Erwägungen statt. Nunmehr ist das Wandbild heute vom Verfall bedroht: Es zeigen sich u.a. weitreichende Schäden im Putz, welche vor allem durch Setzungsrisse entstanden sind. In diesem Fall sind bereits flächige Verluste der Malerei zu beobachten. Zusätzlich verursachen ungünstige Wasserführung und bauschädliche Salze die starke Schädigung lokaler Bereiche. Bei weiterer Vernachlässigung wird dies unabwendbar zum Verlust der heute noch erlebbaren gestalterischen Einheit führen. Es bedarf dringend Maßnahmen zur Sicherung des Bestandes, i.e. des Putzes und der Malerei, und zur Ertüchtigung des Bauwerkes. (Quelle: Jutta Hurlbeck, Auszüge aus einem Text in "Heimat Thüringen", Heft 2-3, 2013)
Anfragen:
- Was kann die Stadtverwaltung über die aktuellen Eigentumsverhältnisse von Gebäude und Wandbild mitteilen?
- Was ist bisher vom Eigentümer zur Erhaltung des monumentalen Wandgemäldes getan worden?
- Welche Schritte wird die Stadtverwaltung unternehmen, um sowohl den Zustand des Gebäudes als auch den des Wandbildes zu stabilisieren bzw. zu verbessern und inwieweit hält der Oberbürgermeister das Kunstwerk überhaupt für erhaltenswert?
