Auch Zalando trägt eine soziale und stadtpolitische Verantwortung
Die Linke fordert Aufklärung im Wirtschaftsausschuss
Die heute durch die Medien bekanntgewordene Komplettschließung des Erfurter Zalando-Standortes ist ein schwerer Schlag für Erfurt und die gesamte Region.
Es gehen alle rund 2.700 Arbeitsplätze verloren. Bei regionalen Zulieferern und Vertrags-partner sind weitere Arbeitsplätze gefährdet.
„Die Konzernbegründung, dass angeblich der erst 13 Jahre alte Standort in Erfurt wirtschaft-lich nicht mehr tragbar sei und notwendige Investitionen unwirtschaftlich wären, ist wenig überzeugend, investiert Zalando doch zugleich in Göttingen in einen neuen Standort“, erklärt die Fraktionsvorsitzende der Linken im Erfurter Stadtrat Karola Stange.
Es ist skandalös, dass der Konzern nicht von seinem Kurs der maximalen Profiterwirtschaf-tung abweicht und jedes Verständnis für die Lage der Beschäftigten oder der Bedeutung des Standortes für die Region vermissen lässt.
In den Standort Erfurt sind rund 40 Mio. EUR Fördermittel geflossen. Hier ist offenbar der Bindungszeitraum abgelaufen und in Niedersachsen am neuen Standort werden sicherlich erneut Fördermittel fließen.
„Es ist zudem auffallenden, dass die Schließungspläne, die die brutalste Unternehmensent-scheidung für die Beschäftigten und die Region ist, gerade jetzt bekannt werden, strebt die Gewerkschaft Verdi doch gegenwärtig Tarifverhandlungen mit dem Mode-Konzern an“, ist die Linkspolitikerin überzeugt.
Bedenklich ist auch, dass der Stadtrat diese Nachricht aus den Medien erfahren muss. Es stellt sich die Frage, ob und wann der Oberbürgermeister in der Sache informiert war.
Es wäre skandalös, wenn der Oberbürgermeister eine derartige Information den Stadträten vorenthalten hat.
Noch unverständlicher wäre es aber, wenn der Oberbürgermeister die Schließungspläne auch erst aus den Medien erfahren hat. Dies würde offensichtlich nicht funktionierende In-formations- und Abstimmungsverfahren zwischen der Stadtverwaltung und der örtlichen Wirtschaft offenlegen und verdeutlichen. „Das müsste dann als Totalversagen hinsichtlich der städtischen Wirtschaftskompetenz bewertet werden“, stellt Frau Stange fest.
Die Linke erwartet vom Oberbürgermeister, dass dieser gemeinsam mit der Landesregierung alle Optionen prüft, um Zalando zum Umdenken zu bewegen. „Für die betroffenen Beschäf-tigten braucht es Perspektiven“, fordert die Fraktionsvorsitzende.
Wenn am 21. Januar 2026 der städtische Wirtschaftsausschuss tagt, erwartet die Linke einen ersten Bericht des Oberbürgermeisters.
„Zudem muss der Oberbürgermeister sichern, dass Konzernvertreter von Zalando dem Wirt-schaftsausschuss Rede und Antwort stehen“, so Karola Stange abschließend.

