Bericht und Gedanken zum Ostermarsch 2026

Fabian Gabriel

Jährlich finden in ganz Deutschland die Ostermärsche statt, die traditionell gegen Aufrüstung und Krieg demonstrieren. In Erfurt organisiert das seit vielen Jahren das Erfurter Friedensbündnis, an dem sich auch Die Linke Erfurt beteiligt. Im Friedensbündnis kommen verschiedene linke Parteien, die evangelische Kirche, die Kulturbrücke Palästina, der Bundeszuwanderungs- und Integrationsrat, die Deutsch-Russische Freundschaftsgesellschaft, der VVN/BdA und weitere Organisationen zusammen.

Dass dieses Jahr unter neuen Vorzeichen stand, ist klar: das Aufrüstungs-Programm der Bundesregierung und der gesamten EU erreicht aktuell unbekannte Ausmaße. Im Angesicht des Iran-Kriegs, des fortlaufenden Ukraine-Kriegs, des Handels-Kriegs zwischen USA und China und zahlreichen weiteren Kriegs-Schauplätzen passiert die sogenannte "Zeitenwende". Übersetzt heißt das, dass die Bundesregierung dieses Land militärisch, industriell und medial gerade darauf vorbereitet, die Interessen der deutschen Wirtschaft im globalen Konflikt auch mit Bomben, Drohnen und Soldaten durchzusetzen. Der richtige Moment also, um mit vielen Bündnispartner*innen unseren Widerstand dagegen auf die Straße zu tragen! Wirklich positiv ist deswegen, dass im Friedensbündnis tatsächlich unter vielen unterschiedlichen Akteur*innen zusammengearbeitet wird. Sonstige politische Konflikte treten hinter eine gemeinsame Opposition gegen den Kriegskurs zurück. Der Ostermarsch 2026 war dahingehend ein wichtiger Moment in der stetigen Zusammenarbeit der friedensbewegten Akteur*innen in der Stadt.

Ehrlicherweise muss aber gesehen werden, dass die Vielzahl der Organisationen nicht zu einer großen Teilnehmer*innen-Zahl geführt hat. Zumindest nicht im Verhältnis zum Ausmaß der internationalen Kriegsschauplätze und der Gefahr noch umfassenderer Eskalation. Etwa 300 Personen nahmen am Erfurter Ostermarsch teil. Auf der Demonstration sind wir aus Perspektive der Linken insbesondere auf Genoss*innen anderer sozialistischer Parteien, auf Gewerkschafter*innen, auf junge Aktivist*innen aus den internationalistischen und insbesondere propalästinensischen Gruppen, auf einige kurdische Genossen, auf Schüler*innen aus den Schulstreik-Komitees und schließlich auf alte Weggefährt*innen von vorherigen Ostermärschen (Kirchen-und allgemeines friedensbewegtes Umfeld) getroffen. Das sind viele Menschen aus politisch ganz unterschiedlichen Zusammenhängen, aber eben an der Zahl ernüchternd wenige. Viele Passant*innen haben den Reden immer wieder gelauscht und einige sind mit uns oder anderen Menschen auf der Demonstration kurz ins Gespräch gekommen, haben ihre Zustimmung klar gemacht. Das war erfreulich aber dennoch: Was klar fehlt, ist die Beteiligung größerer Teile der Stadtbevölkerung und auch der beteiligten Organisationen selbst.

Das macht nachdenklich über die Perspektive einer notwendigen neuen Friedensbewegung. Wie können wir an einer Mobilisierung für den Frieden bauen, die machtvoll genug ist um den aktuellen und kommenden Krieg in seinem Lauf zu stoppen? Aus Perspektive von Die Linke sollten wir uns hier unserer eigenen möglichen Rolle bewusst sein: Als größte sozialistische Partei in Deutschland ist es unsere Aufgabe der Opposition gegen den Krieg einen Ort zu geben. Denn: wo gibt es eine zweite so große und ressourcenstarke Organisation die in der Lage und vor allem willens wäre das zu tun? Welche andere Organisation hat die Räumlichkeiten, die bundesweite Vernetzung, die Erfahrung in der Friedensbewegung und die öffentlichen Gesichter, die einer solchen Bewegung eine Stimme geben können?
Nur die Linke kann aktuell ein effektiver Sammlungspunkt einer fortschrittlichen Anti-Kriegs-Bewegung sein. Bisher ist das aber noch nicht der Fall: die Partei versucht sich nicht an eigenen Demonstrationen. Veranstaltungen und Publikationen gegen den medialen Kriegskurs passieren noch zu vereinzelt. Auch die Ansprache der Menschen in unseren Vierteln und Nachbarschaften zu ebendiesem Thema steht noch aus.

Der vergangene Ostermarsch motiviert uns als Friedensbewegte in Die Linke daran weiter zu arbeiten. Die verschiedenen Reden haben unser Bewusstsein darin geschärft, dass der Kampf gegen den Krieg und die internationale Solidarität die Aufgaben unserer Zeit sind. Deswegen, liebe Genoss*innen und Leser*innen: seid gespannt was hier noch kommt oder sprecht die Genoss*innen aus dem Friedensbündnis an um euch einzubringen.

Frieden!
Wir danken allen Organisator*innen des Ostermarsches vielmals für ihren Einsatz!