Fahrpreiserhöhung ist sozial ungerecht und demokratisch problematisch
Die Fraktion Die Linke im Erfurter Stadtrat kritisiert die erneute Fahrpreiserhöhung im Verkehrsverbund Mittelthüringen (VMT) scharf. Zum 1. August 2026 steigen die Ticketpreise erneut – die Einzelfahrt verteuert sich von 2,90 Euro auf 3,00 Euro. Seit 2018 sind die Fahrpreise damit um mehr als 50 Prozent gestiegen.
Für die Linke ist diese Entwicklung sozial ungerecht und verkehrspolitisch das falsche Signal. Während Bund, Land und Kommunen den Umstieg auf Bus und Bahn einfordern, werde der öffentliche Nahverkehr für viele Menschen immer teurer.
Besonders kritisiert die Fraktion die fehlende demokratische Kontrolle. Über die Tarife entscheidet der VMT, ohne dass der Erfurter Stadtrat ein Mitspracherecht hat. Vertreten wird die Stadt dort ausschließlich durch die Verwaltung.
„Es ist nicht akzeptabel, dass die Menschen in Erfurt höhere Preise zahlen müssen, der Stadtrat aber keine Entscheidungskompetenz hat. Wer Preise festlegt, muss sich auch der öffentlichen Debatte stellen“, erklärt die Fraktionsvorsitzende der Linken im Stadtrat, Karola Stange.
Nach Auffassung der Linken ist Mobilität Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und darf nicht vom Einkommen abhängen.
„Jede Fahrpreiserhöhung erschwert den Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn. Das steht im Widerspruch zu den Klimazielen und belastet insbesondere Menschen mit geringem Einkommen“, so Stange.
Gleichzeitig weist die Fraktion darauf hin, dass jeder zusätzliche Fahrgast im ÖPNV langfristig auch die Stadt entlastet. Weniger Autoverkehr bedeutet geringere Ausgaben für Straßenunterhaltung und Straßensanierung sowie mehr Lebensqualität in den Quartieren.
Die Linke fordert deshalb einen grundlegenden Kurswechsel in der Nahverkehrspolitik. Perspektivisch müsse der öffentliche Nahverkehr kostenfrei und auskömmlich öffentlich finanziert werden. Als ersten Schritt fordert die Fraktion einen kostenlosen ÖPNV für Kinder und Jugendliche, Sozialleistungsbeziehende sowie Seniorinnen und Senioren.
Darüber hinaus verlangt die Fraktion eine Reform der Entscheidungsstrukturen im VMT. Tarifentscheidungen müssten künftig unter verbindlicher Beteiligung des Erfurter Stadtrats getroffen werden.
„Es kann nicht sein, dass Entscheidungen mit direkten Auswirkungen auf die Bürgerinnen und Bürger ohne die Mitwirkung ihrer demokratisch gewählten Vertreter getroffen werden“, betont Stange.
Die Linke erinnert daran, dass entsprechende Initiativen im Stadtrat in der Vergangenheit keine Mehrheit gefunden haben.
„Wer Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und lebenswerte Städte ernst nimmt, darf Bus und Bahn nicht immer teurer machen. Erfurt braucht einen bezahlbaren, attraktiven und demokratisch kontrollierten Nahverkehr – statt einer Preisspirale, die immer mehr Menschen vom ÖPNV ausschließt“, so Karola Stange abschließend.


