Zum Hauptinhalt springen

Haben die kleinen Erfurter Bahnhöfe eine Zukunft?

Im letzten halben Jahr hat der Thüringer Verkehrsminister Carius mehrere „Regionalkonferenzen“ durchgeführt. Diese Methode liegt derzeit im Trend. Können die „Regierenden“ doch damit auf der einen Seite Bürgernähe demonstrieren, auf der anderen Seite aber ihre politischen Vorgaben unter das Wahlvolk streuen. So auch auf diesen Veranstaltungen, die angeblich zur Vorbereitung der Verkehrsplanung in der nächsten Dekade in Thüringen dienen sollten.

Auf einer Konferenz in Nordthüringen verkündigte Herr Carius, die Fahrtzeit zwischen Erfurt und Nordhausen und zwischen Erfurt und Sangerhausen solle um bis zu 20 Minuten verringert werden. Jetzt könnte man vermuten, die Strecken würden ausgebaut oder neue Fahrzeuge würden eingesetzt. Weit gefehlt. Unrentable Haltepunkte sollen gestrichen werden, Busse sollen dort die Fahrgäste zum nächsten Bahnhof bringen. Daraufhin habe ich eine Anfrage an die Stadtverwaltung gestellt: Wie sieht der Oberbürgermeister die Situation in Erfurt? Die Antwort war leider sehr unkonkret: die Verwaltung könne keine Bestrebungen der Bahn erkennen, Bahnhöfe wie Erfurt Nord, Gispersleben, Kühnhausen oder Stotternheim zu schließen.

Doch wie sieht die Zukunft dieser Bahnhöfe aus? In einem Zeitungsinterview erklärte Carius wörtlich: „Die Bahn ist zweifellos zukunftsfähig. Wir müssen aber hinterfragen, ob es sich lohnt, an jeder Milchkanne zu halten, wenn dort am Tag nur zwei Fahrgäste einsteigen“. Und was bedeutet das konkret? Auf Nachfrage im Thüringer Landtag erklärt die Staatsekretärin Klaan sinngemäß, dass ein Verkehrshalt erst ab 1.000 Fahrgäste pro Tag wirtschaftlich sinnvoll sei. Aber gleichzeitig sei es nicht geplant, bis Ende 2015 Bahnstationen aufzugeben. Im Umkehrschluss: danach steht jeder Halt unter 1.000 Fahrgästen zur Disposition. Die Stadtratsfraktion wird dieses Thema weiter kritisch beobachten, allerdings ist jetzt schon klar: wir müssen die Nutzung der o.g. Erfurter Bahnhöfe steigern. Nur dann gibt es ab 2015 Argumente für deren Erhalt.

Zurück zum Kopf der Seite