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„Stadt des Friedens“ demnächst auch auf Kriegsschauplätzen in der Welt?

Wer an Erfurt denkt, sollte an Blumen, Eissport und den Kinderkanal denken – nicht jedoch an Krieg. Seitdem die Korvette „Erfurt“, ein Kriegsschiff der deutschen Marine, am 28. Februar in Rostock-Warnemünde offiziell in Dienst gestellt wurde, hat der Name der Thüringer Landeshauptstadt einen weiteren Beiklang bekommen. Einen von Krieg und Tod.

 

Umso verwunderlich erscheint es, dass es kaum kritische Reaktionen auf die freudigen Berichte zur feierlichen Indienststellung der Korvette Erfurt gab – und das, obwohl nicht nur DIE LINKE. sondern auch Teile der SPD und Bündnis ‘90 die Grünen seinerzeit gegen die Namenspatenschaft gestimmt haben. Enttäuschend war, dass sich der Oberbürgermeister Andreas Bausewein nicht vehement gegen diese Namenspatenschaft eingesetzt hat.

 

Jetzt werden nicht nur deutsche Soldaten in Kriegsgebiete und Kampfeinsätze geschickt, ein Teil davon wird seinen Kriegsdienst auch auf der Korvette „Erfurt“ verrichten. Dass die deutsche Außenpolitik auch wieder Kriegspolitik ist, ist schlimm genug. Auslandseinsätze der Bundeswehr sind nichts anderes als Krieg der von deutschem Boden aus geführt wird. Dass dies nun quasi im Erfurter Namen getan wird, ist umso ärgerlicher als es zu verhindern gewesen wäre.

 

Anstatt sich mit derlei kriegerischen Federn zu schmücken, wäre ein lohnendes Ziel, Erfurt wirklich zu einer Stadt des Friedens auszubauen. Dafür müsste nicht nur die Namensnennung rückgängig gemacht werden. Wirklich anstrebenswert wären das Verbot der Bundeswehrwerbung in Erfurter Schulen,  aktiver Friedensunterricht in denselben, Schul- und Hochschul-Kontakte mit ausländischen Städten unter der Überschrift der Friedenspartnerschaften, eine Journalisten-Ausbildung im MDR zum Friedensberichterstatter und die Einrichtung eines Lehrstuhls für Frieden- und Konfliktforschung.

 

Viel zu oft wird den Menschen eingeredet, Gewalt könne nur durch Gewalt beendet, Terrorismus nur mit Krieg bekämpft werden. Viel zu selten werden die Folgen dieser Kriege wirklich öffentlich diskutiert, wird berichtet, wie es in einem Land weitergeht, wenn die Soldaten wieder abziehen, Gänzlich unbekannt sind häufig die Ansätze aktiver Friedens- und Konfliktlösungspolitik. Hier sollte sich Erfurt einen Namen machen – und nicht dadurch, dass Soldaten auf einem nach Erfurt benannten Kriegsschiff in den Kampf ziehen.

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