Stadt für Autos oder Stadt für Menschen?
Die Diskussion um die geplanten Parkhäuser am Löbertor und am Lauentor zeigen, dass ein Umdenken noch immer nicht eingesetzt hat. Die Stadtverwaltung, aber auch SPD- und CDU-Fraktion sprechen sich für 2 neue Parkhäuser am Stadtring aus. Eines soll am Löbertor errichtet werden. Bereits bei der Diskussion um die Gestaltung des Hirschgarten gab es immer wieder den Vorschlag am Löbertor ein weiteres Parkhaus zu installieren. Was aber soll das?
Wofür braucht man denn dieses neue Parkhaus? Knappe Parkflächen, eine direkte Zufahrt zur City, Baulücken schließen?
Wer in die Erfurter Innenstadt will tut gut daran, dies nicht mit dem eigenen Auto zu machen. Der Weg zu Fuß, mit dem Rad oder der Straßenbahn ist für den Kenner wesentlich entspannter, als die Fahrt mit dem Auto. Wenn nun also neue Parkhäuser am Innenstadtring gebaut werden sollen, dann zeugt das nicht von Weitsicht. Im Konzept zur ICE-City ist ebenfalls ein Parkhaus eingeplant, welches an der Rosengasse, hinter der Bahnbrücke entstehen soll. Wofür also nun gleich so viel Parkraum? Neue Parkmöglichkeiten ziehen neuen Pkw-Verkehr nach sich, ganz nach dem Motto, wer Straßen säht, wird Verkehr ernten. Die vorhandenen Parkflächen in der Innenstadt sind ausreichend vorhanden, im Parkleitsystem sind selten alle Parkplätze belegt. Aber selbst wenn, wofür gibt es die Angebote des Park and Ride-Systems in Erfurt? Sollten Besucher unserer Stadt nicht die Vorzüge des Nahverkehrs kennen und mithin auch schätzen lernen?
Hier muss der Hebel angesetzt werden. Mehr Lebensqualität in der Innenstadt ist nicht zum Nulltarif zu haben. Das Auto wird zunehmend als Störfaktor betrachtet, gerade in der Innenstadt. Spielende Kinder, Menschen mit Kinderwagen oder Seniorinnen und Senioren machen nicht mehr jedem Auto platz, auch Radfahrer fordern zu Recht mehr Verkehrflächen ein. Ziel der Stadtentwicklung sollte es sein, das Auto langsam aus der Innenstadt zu verdrängen, ihm die Räume eng zu machen.
Und das Argument der Baulücke? Wer über die Arnstädterstraße zum Domplatz will, der genießt mitunter auch den Blick auf den Dom zwischen den Hochhaustürmen hindurch. Eine neue Gestaltung des Löbertors tut sicher Not, aber ein Parkhaus ist die schlechteste aller Lösungen. Eine Reduzierung der Parkplätze und stattdessen ein breiter Fuß- und Radweg wären hier sicher sinnvolle Maßnahmen, zumal der Radweg vom Stadion aus über den Kaffeetrichter direkt auf das Löbertor zu führt und ab hier dann Fußgänger und Radfahrer sich selbst überlassen sind.
Was also gefragt ist, ist eine Stadt für Menschen, keine Stadt für Autos. Denn letztlich ist es doch bei vielen Autofahrern die Bequemlichkeit, weshalb sie überall mit dem Auto hinfahren wollen. Sicher, es gibt auch Menschen mit Behinderungen und Mobilitätseinschränkungen. Aber deren Zugang zur Stadt und damit auch Parkmöglichkeiten gilt es weiterhin zu bewahren.
Wenn CDU und SPD jetzt die Anwohnerinnen und Anwohner fragen wollen, wie sich das Parkhaus wünschen, geht das über die Köpfe der Menschen hinweg. Denn nicht das „wie“ ist die Frage, sondern davor muss geklärt werden, ob ein solches Parkhaus wirklich gebraucht wird.
Fazit aus meiner Sicht: das geplante Parkhaus am Löbertor ist für die Entwicklung der Innenstadt überflüssig. Es zieht mehr Verkehr in die Innenstadt und mindert damit die Aufenthaltsqualität im Umfeld des Parkhausen, die Anwohnerinnen und Anwohner werden mit dem Parkhaus in ihrer Wohnqualität beeinträchtigt und wer den Rad-, Fuß- und Nahverkehr stärken will, der muss auch Flächen und Räume dafür bereitstellen.
Hinweis: 6.Mai 2014; 19:00Uhr Haus Dacheröden, Parkhaus am Löbertor? DIE LINKE lädt zur Diskussion über das geplante Parkhaus ein. Was sagen Sie dazu? Kommen sie vorbei.
