Teilhabe ist kein Privileg - Für ein Erfurt in dem Alle dazugehörigen
Der Sozialstrukturatlas 2025 der Landeshauptstadt Erfurt zeigt die erheblichen Unterschiede von Einkommen, Arbeit, Bildung, Wohnen, der Altersstruktur und weiteren sozialen Indikatoren zwischen den einzelnen Stadtteilen auf. So ist z.B. der niedrige Sozialwohnungsanteil von 527 Wohnungen in 2019 nochmals gesunken und liegt 2024 bei nur noch 460 Wohnungen (0,4% aller Wohnungen). Im gleichen Zeitraum sind die bewilligten Wohnberechtigungsscheine um 50% gestiegen.
Er zeigt sehr konkret, wo Menschen in unserer Stadt gute Chancen haben und wo soziale Belastungen zusammentreffen. Dort muss die Stadtpolitik genauer hinschauen. Für Die Linke ist gesellschaftliche Teilhabe ein zentraler Maßstab für eine sozial gerechte Stadt. „Teilhabe bedeutet weitaus mehr. Menschen müssen sich ihre Stadt leisten können. Das heißt den Sportverein, den Besuch im Schwimmbad, Kultur, Mobilität, Begegnungsstätten und vieles mehr.“, erklärt Sarah Schwarz, sozialpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Erfurter Stadtrat. Das betrifft auch immer mehr alte Menschen in Erfurt. So ist im Zeitraum von 2019 bis 2014 die Grundsicherung im Alter um fast 50% von 904 auf 1420 Fälle gestiegen. Auch der Verkauf von Sozialtickets ist um Zweidrittel gestiegen. Das zeigt, wie richtig die Forderung und der Kampf der Linken für den Erhalt des Sozialtickets und somit für die Mobilität von Erfurterinnen und Erfurtern ist.
Die Linke fordert: bedarfsgerechte Finanzierung von Jugendhilfe und Sozialarbeit, Ausbau von Begegnungsangeboten, bezahlbaren Wohnraum sowie die stärkere Beteiligung von Menschen vor Ort an der Entwicklung ihrer Stadtteile.
„Niedrigschwellige Begegnungsorte sind keine freiwilligen Luxusangebote. Sie schaffen soziale Kontakte, verhindern Einsamkeit und ermöglichen Teilhabe. Teilhabe ist Voraussetzung für eine demokratische und solidarische Gesellschaft.“, so Sarah Schwarz weiter. Wenn im Stadtteil die Beratungsstelle fehlt, der Seniorenclub geschlossen ist, das Jugendhaus zu früh schließt und Kulturangebote gar nicht vorhanden sind, dann wird gesellschaftliche Teilhabe ganz konkret eingeschränkt.
Es braucht ein Erfurt, in dem Teilhabe nicht vom Geldbeutel abhängt. Eine solidarische Stadt muss dafür sorgen, dass Menschen sich begegnen können, dass Kinder gleiche Chancen bekommen und alle ihre Stimme einbringen können. Wie wichtig das ist zeigt auch der Atlas: Das Verfügbare Haushaltsnettoeinkommen ist in Erfurt zwischen 2019 und 2024 um 14% gestiegen, demgegenüber steht jedoch eine Inflation von weit über 20%. Das bedeutet, dass bei vielen Erfurterinnen und Erfurtern der Geldbeutel kleiner geworden ist.
Der Sozialstrukturatlas ist damit mehr als eine statistische Bestandsaufnahme. Er ist ein Auftrag an Politik und Verwaltung, soziale Unterschiede zu erkennen und die vorhandenen Ressourcen gezielter einzusetzen. Für Die Linke ist klar, dass die Daten künftig stärker in Haushaltsentscheidungen, Stadtentwicklung und die Planung sozialer Infrastruktur einfließen sollten.
Hintergrund: Die Vorlage zum Sozialstrukturatlas 2025 wurde im August 2026 im Ausschuss für Soziales, Arbeitsmarkt und Gleichstellung beraten und steht auf der Tagesordnung des Erfurter Stadtrats am 17.09.2026


