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Zalando-Schließung in Erfurt: Profite privatisiert – Verantwortung abgeladen

Carolin Held

Die angekündigte Schließung des Zalando-Standorts in Erfurt ist ein massiver Schlag für die Beschäftigten, für die Stadt und für die öffentliche Hand. 2.700 Arbeitsplätze stehen vor dem Aus – an einem Standort, der mit erheblicher öffentlicher Förderung und politischer Unterstützung aufgebaut wurde.

Der Standort Erfurt war kein beliebiger Standort. Er war Ausgangspunkt und Fundament für den wirtschaftlichen Aufstieg von Zalando in Deutschland und Europa. Ganze Familien – auch aus Mittel- und Osteuropa – wurden gezielt angeworben, um diesen Erfolg abzusichern. Nun werden sie im Stich gelassen.

Aus kommunalpolitischer Sicht kommt ein weiterer zentraler Punkt hinzu: Für den Zalando-Standort wurden rund 13 Hektar Fläche dauerhaft versiegelt – inklusive Gebäude, Logistikflächen, Parkplätzen und Zufahrten. Eine Fläche dieser Größenordnung ist für eine Stadt wie Erfurt ein gravierender Eingriff in Boden, Klima und Stadtentwicklung. Diese Versiegelung wurde politisch verantwortet, weil langfristige Arbeitsplätze, Verlässlichkeit und Bindung an den Standort zugesichert wurden.

Besonders problematisch ist der Zeitpunkt der Entscheidung. Erst vor Kurzem ist es den Beschäftigten gelungen, eine reale Streikbereitschaft zu entwickeln und für einen Tarifvertrag zu kämpfen. Tarifverträge sind in Deutschland kein Betriebsunfall, sondern Normalität. Dass ein Konzern genau in dem Moment, in dem Beschäftigte ihre Rechte wahrnehmen, mit Standortschließung reagiert, ist ein fatales Signal.

Zalando ist nach Erfurt gekommen, um Profite zu erwirtschaften – und das war politisch so entschieden. Was jedoch nicht akzeptabel ist: Wenn Gewinne nicht mehr den Erwartungen entsprechen oder Tarifbindung erkämpft wird, wird die Verantwortung vollständig abgegeben. Die Kosten tragen dann die Beschäftigten, ihre Familien und die Kommune.

Jetzt stellen sich aus Sicht der Stadt Erfurt zwingend konkrete Fragen. Daraus ergeben sich drei klare kommunalpolitische Forderungen:

  1. Fördermittel prüfen und Konsequenzen ziehen
    Stadt und Land müssen umgehend prüfen, welche öffentlichen Fördermittel an Zalando geflossen sind, unter welchen Bedingungen sie gewährt wurden und ob Rückforderungen, Vertragsstrafen oder Schadensersatzansprüche möglich sind. Öffentliche Förderung darf kein Einbahnstraßenmodell sein.
  2. Verantwortung für die versiegelte Fläche klären
    Die rund 13 Hektar versiegelte Fläche dürfen nicht zum kommunalen Dauerproblem werden. Leerstand oder spekulatives Liegenlassen ist ökologisch und städtebaulich nicht akzeptabel. Es braucht klare Zusagen zur Nachnutzung von Fläche und Gebäuden – im Interesse der Stadt.
  3. Politische Koordination auf allen Ebenen sicherstellen
    Der Oberbürgermeister muss unverzüglich gemeinsam mit Land und Bund Gespräche aufnehmen, den politischen Druck bündeln und gegenüber Zalando klar machen: Wer von öffentlicher Unterstützung profitiert hat, kann sich nicht kommentarlos aus der Verantwortung ziehen.

Die Schließung des Standorts zeigt exemplarisch, was passiert, wenn Konzerninteressen Vorrang vor sozialer, ökologischer und kommunaler Verantwortung haben. Profite werden privatisiert, die Schäden sozialisiert.

Die Linke Erfurt steht solidarisch an der Seite der Beschäftigten und der Gewerkschaft ver.di. Erfurt darf nicht zum Kollateralschaden einer renditegetriebenen Konzernstrategie werden. Jetzt braucht es Klarheit, Konsequenzen und einen verbindlichen Plan für die Zukunft dieses Standorts.

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