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Erfurt braucht vorrangig neue Sozialwohnungen

Carolin Held

"Bezahlbarer Wohnraum in Erfurt durch neue Einfamilienhäuser schaffen, so wie dies der Stadtentwicklungsdezernent Bredemeier will, ist aus mehreren Gründen falsch, sozialpolitisch verfehlt und stadtentwicklungspolitisch rückwärtsgewandt", kritisiert die Stadträtin der Linken Carolin Held.

 

Einfamilienhäuser sind die teuerste und flächenintensivste Wohnform überhaupt. Sie beanspruchen enorm viel Fläche, verursachen hohe Erschließungs- und Unterhaltungskosten und bieten gleichzeitig vergleichsweise wenig Wohnraum pro Quadratmeter Grundstücksfläche. "Auf derselben Grundstücksfläche ließen sich deutlich mehr Wohnungen in Geschossbauweise errichten, mit sozialer Durchmischung, bezahlbaren Mieten und sinnvoller Anbindung an den ÖPNV", ist die Linkspolitikerin überzeugt. Für Menschen mit geringen und mittleren Einkommen bis zu 60.000 EUR im Jahr ist das Einfamilienhaus weder beim Bau noch im laufenden Unterhalt eine tatsächliche Option. "Wenn der Stadtentwicklungsdezernent vorgibt, mit dem Neubau von Eigenheimen bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, verkennt entweder bewusst die Realität oder betreibt Klientelpolitik", ist Carolin Held überzeugt. Besserverdienende in vergleichbar günstigen Wohnungen mag es im Einzelfall geben, aber keinesfalls in Größenordnungen.

Bei den aktuell hohen Bau- und Grundstückspreisen ist es ein frommer Wunsch, dass über 2.000 Familien, die jetzt in kostengünstigen Mietwohnungen wohnen, sich für ein Eigenheim entscheiden. "Der Mythos vom Eigenheim als Standardlösung bricht faktisch in sich zusammen", ist sich die Stadträtin der Linken sicher.

Anstatt hier vergebens zu hoffen, sollte sich der Stadtentwicklungsdezernent auf die Schaffung von neuem Wohnraum in Geschossbauweise konzentrieren und dabei den Fokus auf den Sozialwohnungsbau richten.

Neue Sozialwohnungen sind schon deshalb nötig, weil jährlich zahlreiche dieser Wohnungen aus der Sozialbindung fallen, der Anteil der Sozialwohnungsberechtigten aber nicht geringer wird.

Es ist auch wenig hilfreich, Gering- und Besserverdienende gegeneinander auf dem Wohnungsmarkt auszuspielen und damit vom eigentlichen Versagen der städtischen Wohnraumpolitik abzulenken. Nicht die Menschen und Familien mit mittlerem Einkommen sind schuld daran, dass günstiger Wohnraum fehlt, sondern eine Stadtpolitik, die nicht verhindert hat, dass die Grundstücksflächen zur Ware wurden, das Gemeinwohlinteressen den Verwertungsinteressen unterordnet und die Vermieterinteressen als vorrangig galten.

Jüngstes Beispiel ist der neuer Erfurter Wohnspiegel. Der ist eindeutig vermietergeprägt und die Folge der vernachlässigten Investitionen in kostengünstigen Wohnraum und in Sozialwohnungen. Die aktuelle Konkurrenz um Wohnraum ist nicht die Folge individuellen Fehlverhalten, sondern das Resultat politischer und unternehmerischer Fehlentscheidungen. Und diese Entwicklung verschärft sich durch neue Einfamilienhaussiedlungen, denn die bedienen vor allem obere Einkommensgruppen und lösen kein einziges strukturelles Wohnungsproblem.

Aber auch ökologisch ist diese Strategie des Stadtentwicklungsdezernenten ein Desaster: Neue Eigenheimstandorte führen zu einer weiteren Versiegelung wertvoller Böden, der Förderung von Pendelverkehren und einer klimaschädlichen Bauweise. Während andere Städte Flächen sparen, Innenentwicklung priorisieren und klimagerechte Quartiere fördern, wird in Erfurt auf ein Modell aus den 90ern gesetzt. Das konterkariert auch lokale Klimaziele massiv.

Wer bezahlbaren Wohnraum in Erfurt schaffen will, muss:

- den kommunalen Wohnungsbau stärken,

- klare Quoten für sozialen Wohnraum setzen, - Boden gemeinwohlorientiert sichern (z. B. durch Erbpacht), - Baugenossenschaften fördern, - und städtische Investitionen dorthin lenken, wo sie tatsächlich für Entlastung sorgen.

"Ein sozial gerechtes, ökologisch tragfähiges und zukunftsfestes Erfurt entsteht nicht durch neue Einfamilienhaussiedlungen auf der grünen Wiese oder auf wertvollem, gesundem Ackerboden, sondern durch innovativen Geschosswohnungsbau auf Brachflächen und zur Schließung von Baulücken", so Carolin Held abschließend.

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